Kyffhäuserradweg - 18.12.2021
Immer wieder bin ich mit dem Auto dran vorbeigefahren, mal näher, mal etwas entfernter. Ein- oder zweimal war ich sogar schon oben auf dem Kyffhäuser. Aber nie hatte ich bisher das Kyffhäuser-Denkmal besucht.
Hier gibt es mein Video zur Tour:
Bei meiner Suche nach interessanten Tagestouren stieß ich auf den Kyffhäuser-Radweg. Dieser umrundet das namensgebende Gebirge auf einer Gesamtlänge von 36 km (+ jeweils 10 km An- und Abreise vom/zum Bahnhof in Artern).
Mit diesem Radweg wäre ich also wieder in der Gegend, ganz nah sogar. Deshalb plante ich meine Route von Artern (Unstrut) entlang des Radwegs, aber eben hinauf zum Denkmal, statt den Kyffhäuser dann nördlich zu umrunden. Dadurch verlängerte sich die Tour auf ca. 68 km und einige Höhenmeter kamen - wen überrascht es - hinzu.
Am 18.12.21 nahm ich kurz vor 9 Uhr eine Bahn ab Leipzig-Knauthain. Etwas mehr als zwei Stunden und drei Umstiege später stand ich am Bahnhof in Artern. Wie vorhergesagt war das Wetter leider nicht besonders freundlich. Es nieselte etwas, Hochnebel verhinderte jegliche Aussicht und es war kühl. Aber darauf war ich vorbereitet und die Hoffnung hielt sich, dass die Vorhersage auch für den restlichen Tag stimmte. Demnach sollte es nur noch zwei Stunden so bleiben.
Zuerst ging es kurz durch das beschauliche Städtchen Artern. Auf der Reinsdorfer Straße ging es über die Unstrut und dann rechts hinein am Gartenverein "Reinsdorfer Straße" vorbei. Hier trifft man auf den Unstrut-Radweg, dem man keine 2 km bis zur Unstrut-Brücke bei Schönfeld folgt. Diese Brücke markiert den "Startpunkt" des in Artern beginnenden Zubringers zum Rundweg Kyffhäuser-Radweg.
| die Unstrut-Brücke bei Schönfeld |
Auf ruhigen Nebenstraßen oder sogar nur landwirtschaftlich genutzten, dennoch meist sehr schön asphaltierten Wegen führte der Zubringer zuerst "zurück" an die westliche Grenze Arterns, dann unter der A 71 entlang, um direkt dahinter bei der Ortsumgehung Schönfeld-Ringleben einen nervigen Bogen zu machen - zwar nur insgesamt ein Kilometer, aber trotzdem.
Danach folgte die Route einem sehr gut ausgebauten Radweg, der fast schon wie eine ehemalige Bahntrasse wirkt, vorbei an Kachstedt und Borxleben. Am nördlichen Rand von Ichstedt war es dann soweit: der Kyffhäuser-Rundweg war erreicht. Hier kann man sich entscheiden, ob man der Runde zuerst nördlich oder zuerst südlich folgt. Ich entschied mich, zuerst südlich um den Kyffhäuser herum zu fahren.
Hier trifft man zuerst auf Udersleben, wo direkt am Ortseingang ein seltsamer Baumstamm aufgebockt liegt. Hat man dessen Länge abgefahren, erkennt man, was es ist: der Udersleber Riesenbesen.
| Udersleber Riesenbesen |
Bad Frankenhausen scheint sehr stark vom Kurgeschäft geprägt zu sein. Direkt am Ortseingang fährt man an einem Rehazentrum vorbei. Bevor man dann auf den Kurpark trifft, sieht man rechter Hand noch den Schiefen Turm von Bad Frankenhausen.
| Schiefer Turm von Bad Frankenhausen |
Bad Frankenhausen sieht entlang der Route echt hübsch aus. Stellt man sich jetzt noch einen sonnigen Frühlings- oder Sommertag vor, könnte man hier bestimmt in einem netten Café eine erste Rast machen. Etwas mehr als 20 km sind immerhin schon geschafft.
Noch in der Stadt erreicht man die Kleine Wipper, einen kleinen Fluss, dem man für etwa 2 km folgt. Man biegt links ab; später begleitet der Fluss einen wieder für kurze Zeit bis zum Informationszentrum des Geoparks Kyffhäuser. Gleich daneben liegt die wirklich sehenswerte Barbarossa-Höhle, die ich in der Vergangenheit schon einmal besuchte.
Während die Höhle das Innenleben des Kyffhäusers zeigt, begegnen einem rund um die Höhle immer mal wieder auffällig kahle, felsige Stellen auf den Berg rundherum. Dieser Gips- und Kalkstein ist wohl charakteristisch für den Kyffhäuser.
| Gips- und Kalkstein-Felsen am südlichen Kyffhäuser |
Man passiert auf der Landstraße das Örtchen Steinthalleben, wo man schon mitten in einer langgezogenen Steigung ist, die ihren Höhepunkt ziemlich genau an der Grenze Thüringens zu Sachsen-Anhalt hat. Von dort kann man eine schöne Abfahrt fast bis hinab zur Talsperre Kelbra genießen, die man unten im "Tal" schon sieht.
| Grenze Thüringen mit Sachsen-Anhalt, Blick zur Talsperre |
Kurz darauf erreicht man Kelbra. Dort trifft der Radweg auf die B 85. Statt diese gleich wieder nach Osten zu verlassen - dort geht der Kyffhäuser-Radweg weiter - führt meine Route nun eine ganze Weile entlang der B 85. Denn diese schlängelt sich in 36 Kurven mit im Schnitt 5 % Anstieg hinauf auf den Kyffhäuser. Schon kurz vor dem Ortsausgang war die Steigung ordentlich, laut Straßenschild wohl 10 %. Kaum hat man Kelbra verlassen und das bewaldete Gebiet erreicht, ist man auch schon wieder in Thüringen.
Während man sich abstrampelt, genießt man den einen oder anderen schönen Ausblick auf das immer weiter entfernte Tal, aber auch zu den Bergen rundherum. So erspäht man z. B. auch die Rothenburg, eine in Privatbesitz befindliche Ruine, die nicht zugänglich ist. Nachdem man sich als vergleichsweise vollbepackter Tourenradler ein paar Mal von Rennrad-Cracks hat überholen lassen, erreicht man fast ganz oben den Abzweig zum Kyffhäuser-Denkmal.
| Fast geschafft: Abzweig zum Denkmal |
Bis zum großen Parkplatz und den dortigen touristischen Einrichtungen kommt man angenehm schnell - bergab - voran. Dann heißt es noch einmal richtig in die Pedale treten, denn die letzten 500 Meter geht es steil bergauf zum Eingang des Denkmals.
Doch die Belohnung in Form des Denkmals lohnt alle Anstrengungen.
| beim Kyffhäuser-Denkmal |
Das Denkmal ist begehbar, es gibt sogar direkt daneben ein Museum mit Café. Weil ich nicht gar so viel Zeit hatte, bin ich nur bis ganz nach oben im Denkmal gekraxelt. Das war fast schon anstrengend als die Fahrt hinauf zum Denkmal 😉. Oben angekommen, konnte ich wegen der tief hängenden Wolken leider nicht besonders weite Aussichten genießen. Aber auch die Wolken rund um mich herum hatten etwas.
| Ausblick vom Denkmal / mein Fahrrad wartet auf mich (roter Kreis) |
Nach einem warmen Tee, den ich mir auf Anraten meiner Frau mitgebracht hatte, begab ich mich dann auf die "Rückreise". Ich hatte überlegt, einfach wieder hinab nach Kelbra zu fahren und die nördliche Hälfte des Kyffhäuser-Radwegs einfach noch zu fahren. Aber dafür - so dachte ich - reichte die Zeit nicht mehr. Schließlich musste ich einen Zug in Artern erreichen.
Wenn ich aber jetzt so zurück denke, wäre ich mit der schnellen Abfahrt und dem wahrscheinlich durchgehend asphaltierten Radweg auf dem Kyffhäuser-Radweg deutlich schneller oder zumindest ebenso schnell, dafür aber viel angenehmer- unterwegs gewesen.
Denn ich ließ mich von Komoot einfach an der östlichen Flanke des Bergs nach unten führen. Ich wusste, dass es nur ein Wanderweg oder so etwas werden würde, denn auf der Karte ist es mit "Singletrail" und "Erde" ausgewiesen. Vorbereitet auf das, was dort tatsächlich kam, war ich allerdings nicht.
Der erwartete Wanderweg war - eine Beschreibung fällt fast schon schwer - eher eine Art ausgewaschenes Bachbett, gefüllt mit großen, rundlichen und los liegenden Steinen. Das an sich wäre ja nicht weiter schlimm gewesen. Problematisch war das feuchte Laub, welches den gesamten Untergrund bedeckte. Ich konnte die Steine nicht sehen. So hing ich die ersten paar hundert Meter halblinks auf meinem Rad, immer bereit für einen spontanen Abstieg. Allzu schnell durfte ich aber nicht werden, das wäre halsbrecherisch geworden. Also bremste ich so sachte, wie es nur irgendwie ging. Allerdings führte das starke Gefälle dazu, dass das Hinterrad blockierte. Nach dem kurzen Stück entschied ich mich dann, abzusteigen. Einen Sturz wollte ich dann doch nicht riskieren.
Aber auch das Laufen auf dieser Oberfläche war furchtbar. Ich knickte einmal auch ziemlich heftig um. Zum Glück konnte ich weitergehen.
Nach etwa einem Kilometer, den ich halt nur sehr, sehr langsam hinter mich bringen konnte, war der schlimmste Teil erledigt. Dort - wieder Sachsen-Anhalt - begannen dann mehr oder minder gut befahrbare Wiesenwege.
| fast schon erholsam |
Etwa in Höhe des Freilichtmuseums Königspfalz Tileda, dessen Besuch ich mir für einen anderen Tag aufhebe, begannen dann wieder asphaltierte Wege. Von Tileda zurück über die Grenze mit Thüringen nach Ichstedt war es dann auch eine sehr schön Hochgeschwindigkeitsstrecke mit nur wenigen, kleinen Anstiegen. Mit Erreichen von Ichstedt war die Runde dann komplett und es ging auf bekannter Strecke zurück nach Artern, danach auf direktem Weg zum Bahnhof.
Insgesamt war ich etwa 5,5 Stunden unterwegs und habe eine Strecke von 67,85 km mit 691 Höhenmetern zurückgelegt.
Fazit:
An einem sonnigen Tag im Frühling/Sommer ist der Kyffhäuser-Radweg bestimmt eine richtige Perle im Kyffhäuserland. Der eigentliche Rundweg ist für jede/n Radler/in geeignet. Der Abstecher hoch zum Denkmal will gut überlegt sein, denn das Hochfahren ist nicht ohne. Wer das aber unternimmt, sollte den gleichen Weg zurück nach Kelbra wählen und anschließend wieder dem Kyffhäuser-Radweg folgen.
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